Stadt Schwerte, Maßnahme 2.1.19

Stadt Schwerte, Maßnahme 2.1.19

Fläche (m²)

4.402

Lagebeschreibung:

Liegenschaftskomplex Nord bei der Stadt Schwerte, Kreis Unna

Maßnahmenblatt (Maßnahme 3)

Umbau von naturfremden Laub- und Nadelholzforsten auf feuchten bis nassen Standorten in naturnahe Erlenmischwälder

Maßnahmenbeschreibung:

Der Umbau von naturfernen Laub- und Nadelholzforsten in standortgerechte Erlenmischwälder ist in den Bereichen der schmalen Bachtälchen bzw. Siefen und angrenzenden Bereichen mit grundwassergeprägten Böden geplant. Nach der Beseitigung der aufstockenden Nadelbäume (fast immer Fichten)beziehungsweise der Hybridpappeln in den naturfernen Laubforsten werden diese Bereiche initial mit Erlen bepflanzt. Die Bepflanzung erfolgt hier sinnvollerweise mitgrößeren Heisterpflanzen. Sofern angrenzend ein Waldweg vorhanden ist, sind an den Weg auch bodenständige Sträucher (Hasel, Weißdorn) zur Waldinnenrandgestaltung miteinzubringen.

Bereits vorhandene standortgerechte Laubgehölze sind in die Bepflanzungsmaßnahmeneinzubeziehen. Die Pflanzen sind durch geeignete Maßnahmen (hier meist Einzelschutz)vor Wildverbiss zu sichern.
Für den angestrebten „Zielwaldtyp“ eines Erlenmischwaldes ist ein Mischungsanteil von mindestens 80 % Erlen notwendig

Pflege- und Entwicklungskonzept:

Bei der Umsetzung der Maßnahme ist aufgrund der feuchten bis nassen Standorte ein besonders bodenschonendes Vorgehen bei dem Bestockungswechsel besonders wichtig.

Als dauerhafte Pflegemaßnahme sind möglicherweise aufkommende invasive Neophyten und nicht standortheimische Baumarten zu beseitigen.

Die Waldpflege(u.a. läutern) und späteren Nutzungen erfolgen nach den Maßgaben der naturnahen Waldwirtschaft.

ABIOTISCHE STANDORTFAKTOREN

Naturräumliche Grundlagen

Der Liegenschaftskomplex südlich der Lenne ist der naturräumlichen Haupteinheit Märkisches Oberland (3361) zugehörig. Diese gliedert sich im betrachteten Raum wiederum in die Untereinheiten

  • Nahmerschlucht mit Hohenlimburger Höhen (3361.21) und die
  • Hülscheider Hochflächen (3361.3).

Das Märkische Oberland ist ein in isolierte Restflächen aufgelöstes Rumpfflächengebiet auf gefalteten mitteldevonischen Tonschiefern, Grauwacken und Quarziten zwischen Gevelsberg, Hagen, Iserlohn und der Ebbe-Homer-Schwelle. Es bricht im Norden markant mit einer 150-200 m hohen, stark eingekerbten Randstufe zum Niedersauerland hin ab. Auffälliges Merkmal des Oberlandes sind die tief in die Rumpfhochfläche eingerissenen Erosionstäler, die quer zum varizsischen Faltenbau des Gebirges, der Schiefergebirgsabdachung nach Nordwesten folgen. Die steil reliefierten Talzerschneidungsräume nehmen zusammen mit der reich zerschnittenen Randstufe im Norden fast die Hälfte des Oberlandes in Anspruch. Sie bilden durch das schroffgeböschte, bodenarme und durchweg bewaldete Gelände einen scharfen Gegensatz zu den stark verästelten, größtenteils offenen Resthochflächen.

Hauptsächlich vom südlichen Liegenschaftskomplex erfasst ist die Untereinheit derNahmerschlucht mit Hohenlimburger Höhen. Hierbei handelt es sich um das bis in 230 mtief in mitteldevonische Schiefer und Grauwacken eingeschnittenes waldreiches Tal derNahmer nebst den Randhöhen der Märkischen Oberlandes beiderseits von Hohenlimburg.Randtich dieser Untereinheit schließt südwestlich, südlich und südöstlich umlaufend dieUntereinheit der Hülscheider Hochflächen an. Die Hülscheider Hochflächen stellen einenetwa 400 bis 500 m hohen und von Buckeln und Dellen kleinförmig reliefiertenHochflächenrücken zwischen Dahl, Hohenlimburg, und Altena dar.

Geologie

Den Gesteinsaufbau des Märkischen Oberlands bestreiten im Bereich des Altenaer Sattels hauptsächlich Tonschiefer im Wechsel mit Grauwackensandsteinen und Quarziten des älteren, randlich auch jüngeren Mitteldevons, im Bereich der Lüdenscheider Mulde fast ausschließlich Honseler Schichten des Givet mit edaphisch unwesentlicher Beteiligung von Kalken.

Den geologischen Aufbau des südlichen Niedersauerlandes (nördlicher Liegenschaftskomplex} umfasst mehr oder wenige schmale Säume kalkreicher Gesteine des Kulms und Oberdevons. Die in Massenkalken des obersten Givet angelegten lserlohner Kalksenken bilden ein formenreiches Gelände. Die Ungunst des weitverbreiteten kalkarmen Oberkarbongesteines wird durch Auflagen von Terrassen- und Lößlehm gemildert.

Klima

Das Klima des Märkischen Oberlands ist ozeanisch feucht und kühl in der Berglandvariante mit Niederschlägen zwischen 950 – 1000 mm im Norden wie auch östlich der Lenne und über 1200 mm an der oberen Volme. Die Jahresmitteltemperatur beträgt auf den Hochflächen um 7.5°C, in den Tälern um 8.5°C. Die Mitteltemperatur der kleinen Vegetationsperiode von Mai bis Juli auf den Höhen 13-14°C und in den Tälern etwa 1°C mehr.

Das Klima im Bereich des Niedersauerlands ist wegen der meist niederen Lagen mit 700- 900 mm Niederschlag nur mäßig feucht und mit 14-15.5°C Mitteltemperaturen in der Hauptwachstumszeit Mai – Juli ziemlich mild.

Boden

Der südliche Untersuchungsraum besteht ganz überwiegend aus Braunerden (stellenweise Pseudogley-Braunerde). Es handelt sich dabei um mittelgründige grusig-steinige und schluffige Lehmböden, die großflächig auf den Rücken und Hängen des Planungsraumes vorkommen. Die Braunerden weisen eine mittlere Sorptionsfähigkeit, eine geringe bis mittlere nutzbare Wasserkapazität und eine meist mittlere Wasserdurchlässigkeit auf. Im Bereich der Siepen stehen Gleyböden (z.T. Naßgley oder Braunerde-Gley) an. Sie sind charakterisiert durch eine mittlere bis hohe Sorptionsfähigkeit, eine mittlere bis hohe, z.T. geringe nutzbare Wasserkapazität. In der Deckschicht weisen sie eine mittlere bis geringe Wasserdurchlässigkeit und im Untergrund eine z.T. große Durchlässigkeit auf. Der nördliche Untersuchungsraum gliedert sich in den südlichen Teilbereich, der aus überwiegend Braunerden besteht. Weiter nördlich stehen hingegen ganz überwiegend Pseudogleye an. Die Siepen werden durch die bandförmig entlang der Fließgewässer vorkommenden Gleye gebildet. Die Ausläufer der Siepen sind durch Parabraunerden bestimmt.

Die Braunerden weisen eine mittlere Sorptionsfähigkeit, eine geringe bis mittlere nutzbare Wasserkapazität und eine meist mittlere Wasserdurchlässigkeit auf. Die Pseudogleye (z.T. Braunerde – Pseudogleye) sind schluffig – tonige Lehmböden, die insbesondere in schwacher Hanglage vorkommen. Sie sind charakterisiert durch eine mittlere bis hohe Sorptionsfähigkeit, eine geringe Wasserdurchlässigkeit und eine mittlere bis starke Staunässe von 0-1 O dm unter Flur. Die Gleye sind charakterisiert durch eine mittlere bis hohe Sorptionsfähigkeit, eine mittlere bis hohe, z.T. geringe nutzbare Wasserkapazität. ln der Deckschicht weisen sie eine mittlere bis geringe Wasserdurchlässigkeit und im Untergrund eine z.T. große Durchlässigkeit auf. Die Parabraunerden in den Ausläufern der Siepen haben eine hohe Sorptionsfähigkeit, eine hohe nutzbare Wasserkapazität und eine mittlere Wasserdurchlässigkeit. Verbreitet sind diese Böden schwach staunass (tiefer als 4 dm unter Flur).

Schutzwürdige Böden

Schutzwürdige Böden werden ausgewiesen für die Boden(teil-)funktionen • Archiv der Natur- und Kulturgeschichte

  • Lebensraumfunktion: Teilfunktion: hohes Biotopentwicklungspotenzial (Extremstandorte)
  • Lebensraumfunktion: Teilfunktion: hohe natürliche Bodenfruchtbarkeit/ Regelungsund Pufferfunktion


Diese Böden sind in der Karte der schutzwürdigen Böden (CD-ROM des Geologischen Dienstes NRW) dargestellt.

Im südlichen Untersuchungsraum ist der grundwassergeprägte Bodentyp Gley als schutzwürdig aufgrund eines hohen Biotopentwicklungspotenzials (SWB-Klasse 1) eingestuft. In den Ausläufern der Siepen sind die Braunerden aufgrund ihrer hohen Bodenfruchtbarkeit (SWB-Klasse 1) schutzwürdig.

Im nördlichen Untersuchungsraum ist der Gleyboden im Bereich des Wannebachs mit der Schutzwürdigkeitsklasse 3 aufgrund des Biotopentwicklungspotenzials belegt. Die übrigen Siepenbereiche erhalten die SWB-Klasse 1. Die in den Ausläufern der Fließgewässer befindlichen Parabraunerden und Braunerden sind aufgrund ihrer Fruchtbarkeit als schutzwürdig (SWB-Klasse 2 und 1) eingestuft.

BIOTISCHE AUSSTATTUNG

Potenzielle natürliche Vegetation

Die potenzielle natürliche Vegetation (PNV) bietet Anhaltspunkte für eine ökologische Raumgliederung. Sie kann als Hinweis für eine landschaftsgerechte land- und forstwirtschaftliche Bodennutzung dienen. Die PNV spiegelt diejenige Vegetation wider, die sich nach Einstellen des menschlichen Einwirkens unter den derzeitigen ökologischen Bedingungen entwickeln würde. Dieser Vegetationstyp, der real durch andere Typen ersetzt sein kann, ist Ausdruck des natürlichen Potenzials eines Standortes. Im südlichen Liegenschaftsbereich, der im Naturraum Märkisches Oberland liegt, ist in höheren Lagen der Buchenmischwald bodenständig. In engen, schattigen Talgründen ein Schluchtwald aus Ahorn, Ulme und Esche.

Die schattig-feuchten Talgründe der Nahmer und der übrigen parallelen Kerbtäler in den Randhöhen des Oberlands beiderseits von Hohenlimburg sind potenziell natürliche Standorte der Sauerländer Schluchtwälder.

Das klimatisch sehr milde Niedersauerland begünstigt als potenziell natürliche Vegetation Eichen- sowie Eichen-Hainbuchenwälder. Allerdings bleiben verschiedene Buchenwälder auch hier die bestimmenden natürlichen Waldgesellschaften (Hainsimsen-Buchenwälder auf den ärmeren und Waldmeister-Buchenwälder auf den reicheren Standorten).

Biotoptypen / Nutzungen

Die Vegetation bzw. die Biotoptypen wurden anhand der Kartieranleitung des LANUV aufgenommen und in Plananlage 5 dargestellt.

Wald

Der südliche Liegenschaftskomplex enthält zahlreiche junge Fichtenbestände sowie einigen Birkenmischwäldern und vereinzelten Eichen- und Buchenbestände. Durch den Orkan Kyrill (Januar 2007) wurden zahlreiche Waldbestände des Sauerlandes in Mitleidenschaft gezogen. Auch im Liegenschaftsbereich der Fürstlichen BentheimTecklenburgischen Verwaltung wurden größere Waldflächen, insbesondere Fichtenbestände, vom Wind geworfen.

Der nördliche Lieqenschaftskomplex bildet ein Mosaik aus älteren standortgerechten Buchen- und Eichenbeständen sowie Fichten- und Pappelbeständen unterschiedlicher Altersklassen. Auch hier sind ältere Windwurfflächen häufig.

Über alle Waldkomplexe sind Waldbereiche, die von naturnaher Ausprägung sind und Bereiche, die als eher naturfern zu bezeichnen sind, eng miteinander verzahnt. Diese mosaikartige Verteilung von heute, schon bedeutsamen naturnahen Bereichen und eingelagerten naturfernen Waldbeständen, bietet ein hohes Entwicklungspotenzial für die Waldflächenkomplexe und die dort lebenden Tier- und Pflanzenarten.

Gewässer mit Begleit- und Ufervegetation

Sowohl der südliche als auch der nördliche Liegenschaftsbereich ist von zahlreichen Siepen und Bachtälern durchzogen. Die Trennung der Liegenschaftskomplexe erfolgt zudem durch den Gewässerverlauf der Lenne.

Der südliche Untersuchungsraum ist durch die Lenne sowie die zufließenden Gewässer Holthauser Bach, Wesselbach, Nahmerbach, Nimmer Bach, Woerdener Bach und Ferbecke geprägt. Der nördliche Liegenschaftskomplex wird von den Fließgewässern Elsebach, Wannebach, Lollenbach, Hasselbach und Flehmer Bach durchquert.

Fauna

Ältere Waldbestände mit einem dauerhaften Anteil an Alt- und Totholz dienen als Lebensraum von beispielsweise dem Schwarzspecht und verschiedener Fledermausarten. Im Untersuchungsraum vorkommende Höhlen sind Winterquartier für Fledermäuse, Amphibien und Insekten (Schmetterlinge, Zweiflügler u.a.).

Der südliche Untersuchungsraum ist insgesamt durch Waldbestände mit kyrillbedingt eingelagerten Kahlflächen und Vorwaldgebüschen sowie Quell-, Siepen- und Bachbereichen geprägt. Hier finden sich entsprechend angepasste Vogel- und Amphibienarten. Bemerkenswert ist hier z. B. das Vorkommen des Schwarzstorches, der die linearen Gewässerstrukturen im Wald als Nahrungshabitat nutzt. Westlich angrenzend an den südlichen Liegenschaftsbereich ist darüber hinaus seit Jahren eine lokale Kleinpopulation des sehr seltenen Haselhuhns vorhanden.

Die Optimierung der für die gefährdeten Arten notwendigen Lebensräume sowie die Ausdehnung und Vernetzung dieser Biotope, werden in der Maßnahmenentwicklung im Rahmen dieser Planung berücksichtigt. So sind im Untersuchungsraum vor allem Leitarten der Fließgewässer mit ihren Auen und Stillgewässer zu finden. Daneben zeigen auch die altholzreichen Laubwälder eine große Anzahl an Leitarten und haben somit eine besondere Bedeutung im Untersuchungsraum.

Erholung und Freizeit

Innerhalb der Liegenschaftsbereiche südlich und nördlich der Lenne werden zahlreiche landschaftlich attraktive Erholungsmöglichkeiten geboten. Die weitläufigen zusammenhängenden Waldbestände laden im Rahmen einer stillen Erholung zu ausgedehnten Spaziergängen und Wanderungen ein. Zahlreiche ausgewiesene örtliche Wanderwege erschließen den Raum. Hinzu kommt die in den Waldbereichen insgesamt stetig zunehmende Erholungsnutzung durch Fahrradfahrer (oft in ihrer „geländetauglichen“ Form als Mountainbiker) und Reiter. Insgesamt gibt es zahlreiche naturbezogene Freizeitmöglichkeiten.

Außerdem bieten landschaftliche Besonderheiten wie im südlichen Liegenschaftsbereich insbesondere das Schloss Hohenlimburg oder auch der Humpfertturm im nördlichen Liegenschaftsbereich wichtige Anknüpfungspunkte für beabsichtigte Waldwanderungen. Insgesamt bietet der Raum daher neben zahlreichen Möglichkeiten zur aktiven Erholung auch kulturelle und historische Besonderheiten (z.B. das Bodendenkmal „Franzosenschanze“), die das Gebiet in seinen Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung weiter aufwerten.

LEITLINIEN DER MASSNAHMENPLANUNG

Leitlinien für die Maßnahmenplanung werden aufgestellt, um eine zielgerichtete Entwicklung auch einzelner Flächen in eine Gesamtkonzeption zu gewährleisten. Grundlage zur Ableitung von Leitlinien stellen bestehende übergeordnete Planungen dar. Naturschutzfachliche Leitlinien, die dem Prinzip der nachhaltigen Entwicklung verpflichtet sind, zielen darauf ab, den Schutz bzw. die Wiederherstellung der natürlichen Lebensgrundlagen zu schaffen. Elementar bei der Planumsetzung ist die Berücksichtigung der regionalen Besonderheiten und Eigenarten von Landschaften, der naturräumlichen Gliederung sowie der dynamischen Prozesse. Die gebildeten Leitlinien in den walddominierten Liegenschaften münden im vorliegenden Fall in die folgenden Maßnahmenbereiche, die bei der konkreten Maßnahmenplanung noch weiter unterteilt werden:

Entwicklung flächenhafter Waldkomplexe aus naturnahen Wäldern

Die Umwandlung von Nadelholzforsten und naturlernen Laubholzforsten in naturnahe Laubwälder soll auf Normalstandorten sowie auf feuchtegeprägten Standorten erfolgen. Die natürlichen Waldgesellschaften der Normalstandorte sind verschiedene Eichen- und Buchenmischwälder (meist nährstoffarme Hainsimsen-Buchenwälder). Die natürlichen Wälder der feuchten Standorte sind Bach-Erlenwälder mit weiteren Begleitgehölzen (u.a. Stieleiche, Esche, Moorbirke, Faulbaum). Ziel ist die Erhöhung der Naturnähe in den größeren Waldkomplexen insgesamt.

Nutzungsverzicht in älteren Laubmischwäldern (Prozessschutz)

Im Bereich von bereits naturnahen älteren Laubwaldflächen ist auf Teilflächen der dauerhafte und vollständige Nutzungsverzicht langfristig bis in die Totholz- und Zerfallsphase sinnvoll. Diese Maßnahme dient in älteren Laubmischwäldern insbesondere der Erhaltung und Entwicklung natürlicher Strukturen sowie standortspezifischer Lebensräume für Tiere und Pflanzen und auch einer langfristig orientierten Erforschung naturwaldökologischer Fragestellungen. Ziel ist die Schaffung von „hot-spots“ mit besonders wertvoller Biotopstrukturen in den Waldbereichen

Schaffung von strukturreichen Waldrandbereichen

In geeigneten Waldrandbereichen ist die Schaffung von struktur- und artenreichen Waldrändern vorgesehen. Funktionsgerechte Waldränder sind aus einem Waldmantel aus Sträuchern und Bäumen II. Ordnung und einem sich nach außen anschließenden Waldsaum zusammengesetzt. Entsprechend strukturierte Waldmäntel bilden wichtige strukturreiche Übergangszonen, die von einer besonderen Artenvielfalt gekennzeichnet sind. Diese Maßnahmenbereich ist allerdings nur kleinflächig geplant.

Spezielle Maßnahmen

Im südlichen Liegenschaftskomplex ist eine „unübliche“ Maßnahme geplant, die sich aufgrund einer hier vorhandenen Besonderheit anbietet. Hier soll durch eine starke Entfichtung und weitere periodische Freistellungen eine kriegshistorische Anlage – es handelt sich um die „Franzosenschanze“ nahe der Rattenburg – wieder sichtbar gemacht und anschließen dauerhaft sichtbar erhalten werden. Diese Maßnahme ist auch mit der Unteren Denkmalbehörde der Stadt Hagen abzustimmen.

BEWERTUNG DES IST- UND ZIELZUSTANDES

Die Biotope des Untersuchungsraumes wurden anhand der Kartieranleitung des LANUV im Rahmen mehrerer Kartiertermine in den Jahren 2016 und 2017 erfasst. Der Biotoptypenansprache im Wald liegen darüber hinaus ergänzend die Ergebnisse einer mit Stichtag vom 01.01 .2012 von dem Forstplanungsbüro Atalay Consult (Gesellschaft für Forstinventur, Technologie und Softwareentwicklung GmbH) durchgeführten Forsteinrichtung zugrunde. Diese Ergebnisse wurden durch die eigenen Kartierungen dann entweder übernommen oder aktualisiert.

Die Bewertung des Ausgangs- und des Zielbestandes der Biotoptypen, erfolgt nach der „Numerischen Bewertung von Biotoptypen für die Eingriffsregelung in NRW“ des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (Stand Januar 2008). Das Bewertungsverfahren basiert auf einer verbal-argumentativer qualitativen Bewältigung der Eingriffe in den Naturhaushalt und das Landschaftsbild. Darüber hinaus beinhaltet es zur Ermittlung der Lebensraumfunktion ein formalisiertes numerisches Wertverfahren, welches dem quantitativen rechnerischen Nachweis der Kompensation dient. Die numerische Bewertung der Biotoptypen erfolgt auf einer Skala von O – 1 O auf der Grundlage folgender naturschutzfachlicher anerkannter Kriterien:

  • Natürlichkeit
  • Gefährdung / Seltenheit
  • Ersetzbarkeit/ Wiederherstellbarkeit
  • Vollkommenheit

Die Einstufung der oben genannten. Kriterien für die einzelnen Biotoptypen wird mit Hilfe formalisierter Bewertungsmatrizes vorgenommen. Bei der Einstufung wird aus naturschutzfachlicher Sicht eine Gleichgewichtung der vier Wertkriterien vorgenommen. Die Ermittlung des Gesamtwertes des Biotoptyps wird durch arithmetische Mittelwertbildung (gerundet) der vier Kriterien bestimmt. Für die unterschiedlichen Biotoptypen sind in der „Numerischen Bewertung“ des LANUV (Tabelle 1 des Bewertungsverfahrens) unterschiedliche Biotopwerte vorgegeben. Für spezielle Biotoptypen wie Wald, Acker, Säume und Gewässer werden konkrete Hinweise zur Auf- und Abwertung gegeben.
Die folgende Matrix ist ein Hilfsinstrument zur Ansprache von Waldbiotoptypen im Rahmen der Eingriffsregelung sowie insbesondere zur schnellen und nachvollziehbaren Ableitung der Aufwertung von Waldbeständen z.B. durch Erhöhung des lebensraumtypischen Baumartenanteils im Rahmen der Kompensation. Darüber hinaus erleichtern sie die Aufstellung und Führung von Ökokonten im Wald. Die Kartierung und Werteinstufung von Waldtypen erfolgt nach den Parametern:

  • Anteil lebensraumtypischer Baumarten
  • Wuchsklassengruppe
  • Strukturen

Für die Bereiche, in denen innerhalb der vorliegenden Planung Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung vorgesehen sind, können die jeweiligen Ausgangsbiotope den Plananlagen 5 entnommen werden.

Für jede geplante Einzelmaßnahme ist der Ausgangs-Biotopwert und der Zielbiotopwert nach Umsetzung der Maßnahme in den Maßnahmenplänen angegeben. Gemäß LANUVVerfahren ist nach Umsetzung der Maßnahmen für die Bewertung der Zielbiotope ein Entwicklungszeitraum von 30 Jahren zugrunde zu legen.

MASSNAHMENPLANUNG

Die Maßnahmenplanung ist das Resultat einer Reihe von Arbeitsschritten. Zunächst wurde die reale Vegetation erfasst und kartiert und hinsichtlich ihrer ökologischen Wertigkeit eingestuft. Die Erfassung und die Bewertung des Bestandes sowie die planerischen Vorgaben und die Schutzgebiete wurden anschließend in einer Synthese zusammengeführt. Es wurden Schwerpunkträume für geeignete Maßnahmen ermittelt. Hierauf aufbauend erfolgte die flächenspezifische Maßnahmenplanung. Das Maßnahmenkonzept für den Flächenpool bzw. das spätere Ökokonto ist flexibel aufgebaut und bietet Entwicklungsmöglichkeiten für einen Zeitraum von ca. 25 bis 30 Jahren. Es besteht keine Verpflichtung einzelne Maßnahmen durchzuführen, andererseits können zusätzlich geeignete Maßnahmen nachträglich mit in den Flächenpoo1 aufgenommen werden.
Die Maßnahmenplanung ermöglicht eine Kompensation von Eingriffen in verschiedene Biotope. Aus naturschutzfachlicher Sicht könnten weitere Flächen sinnvoll in den Flächenpool / das Ökokonto eingebracht werden. Daher soll das Konzept in Abhängigkeit von den sich abzeichnenden Entwicklungen und den daraus gewonnenen Erfahrungen fortgeschrieben werden.

Zur Durchführung und Pflege der Maßnahmen sind die Angaben hierzu aus den nachfolgend eingefügten Maßnahmenblättern für die Maßnahmenbereiche 1 bis 6 zu beachten und umzusetzen.


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